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Magazin Nordlicht

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Terminservicestelle: Kaum Anrufe unter dieser Nummer


17.01.2017


Die TSS der KVSH funktioniert, die Nachfrage hält sich allerdings weiter in Grenzen.

So sieht die Bilanz ein Jahr nach dem Startschuss für die TSS aus. Weitere Erkenntnis: Die Termintreue von Patienten lässt zu wünschen übrig.

Am 25. Januar 2016 nahm die TSS, zu deren Einrichtung die KVSH per Gesetz verpflichtet worden war, ihren Betrieb auf. Seitdem konnten rund 3.400 Patienten an eine Facharztpraxis zwecks Termin-vereinbarung vermittelt werden. Alle Vermittlungen fanden in der gesetzlich vorgegebenen Frist statt, sodass kein Patient zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus geschickt werden musste.

Die Zahlen im Einzelnen

Insgesamt haben 9.042 Patienten die TSS angerufen (Stand: 15. Januar 2017). Davon

- legten 2.181 Anrufer bereits während der Bandansage auf. Die Bandansage enthält den Hinweis, die Krankenversicherungskarte und die Überweisung bereit zu halten und übliche Datenschutzhinweise.
­- wurden 6.861 Anrufe von den Mitarbeiterinnen der TSS persönlich entgegengenommen.
­- erfüllten 3.428 Anrufer die gesetzlichen Vorgaben zur Nutzung der TSS, sodass ihnen eine Facharztpraxis zur Terminvereinbarung angeboten werden konnte. Bei der Differenz zwischen angenommenen Anrufen und Vermittlung einer Facharztpraxis handelt es sich unter anderem um Patienten, die die gesetzlichen Vermittlungsvoraussetzungen nicht erfüllten (z.B. keine Überweisung) oder aber nur eine Frage zum Verfahren hatten, aber keine konkrete Terminanfrage.

In der Rangliste der Fachgebiete, die am stärksten über die TSS abgefragt werden, stehen Ärzte für Nervenheilkunde / Neurologen ganz oben. Danach folgen Psychiater, Kardiologen, Radiologen mit MRT und Rheumatologen. 

Während die Vermittlungsquote bei 100 Prozent liegt, ist die Nachfrage der Patienten bei der TSS weiterhin sehr gering. Zum Vergleich: Pro Jahr gibt es in Schleswig-Holsteins Praxen rund 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Statistisch gesehen stehen also einem einzigen durch die TSS zustande gekommenen Termin etliche Tausend Arztbesuche gegenüber, die direkt zwischen Patient und Praxis vereinbart worden sind.

„Die geringe Inanspruchnahme der TSS zeigt, dass die bewährten Wege zur Terminvereinbarung bei einem Facharzt - trotz anderslautender Aussagen der Politik - funktionieren“, betont Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH. Ohnehin sei die TSS für medizinisch dringliche Fälle untauglich, da die gesetzlich vorgesehene Frist von vier Wochen dazu gar nicht passen könne. „Ein Patient muss bei ernsthaften Erkrankungen schnell ärztliche Hilfe bekommen und das geschieht auch in den Praxen im Land“, so Schliffke weiter. „Die Terminservicestelle löst nicht das Problem des Facharztmangels, auch haben längere Wartezeiten auf einen Termin selten etwas mit schlechter Praxisorganisation zu tun. In Schleswig-Holstein gibt es schon jetzt zu wenig Nervenärzte, Schmerztherapeuten und Rheumatologen, um der Patientennachfrage gerecht zu werden. Eine staatliche Termingarantie ändert daran nichts.“

Jeder zehnte Patient nimmt Termin nicht wahr

Ein Problem ist allerdings die fehlende Termintreue von Patienten: Knapp zwölf Prozent der abgesprochenen Termine nahmen die Versicherten, die sich vorher bei der TSS gemeldet hatten, nicht wahr. In 188 Fällen erschienen die Patienten nicht in der Praxis, ohne den Termin abzusagen. In 195 Fällen wurde der Termin zumindest vorher abgesagt.

Diesen Trend zur fehlenden Termintreue gibt es nicht nur bei der TSS, sondern generell. Dies bestätigen Ergebnisse einer Erhebung, die die KVSH zwischen September und November 2016 unter rund 120 Haus- und Fachärzten durchgeführt hat. Diese hatten in diesem Zeitraum an ihre Patienten mehr als 250.000 Termine vergeben. Jeder zehnte Patient nahm seinen Termin nicht wahr. Entweder erschien der Patient ohne vorherige Absage nicht zum Termin (rund 6 Prozent), oder sagte erst sehr kurzfristig einen Tag vorher ab (rund 4 Prozent).

„Wenn Patienten Termine platzen lassen und damit für andere wartende Versicherte blockieren, ist das nicht nur ärgerlich, sondern geht auch zu Lasten der Ärzte“, betont Schliffke. Bleibt ein Patient einem Termin ohne Absage fern, entstehen gerade Fachärzten Kosten, da die Untersuchungen in ihren Praxen oft eine besondere Vorbereitung und längere Behandlungszeiten erfordern. Dies ist zum Beispiel bei MRT-Terminen beim Radiologen der Fall. Wird ein Termin nicht wahrgenommen, kann dieser meist nicht einfach für den nächsten Patienten genutzt werden, da die Geräte individuell auf die jeweilige Untersuchung eingestellt werden müssen.

Offenbar betrachten Patienten Termine immer öfter als unverbindlich. "Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Patienten und wünschen uns bei diesem Thema auch die Unterstützung der Krankenkassen und der Politik“, so Schliffke. Es gehe um einen schonenden Umgang mit den Ressourcen im Gesundheitswesen.


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