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Magazin Nordlicht

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Terminvermittlung bei Psychotherapeuten startet


30.03.2017


Die KVSH weitet das Vermittlungsangebot der Terminservicestelle (TSS) aus.

Ab kommenden Montag werden in bestimmten Fällen auch Termine bei Psychotherapeuten vermittelt.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich auf Details verständigt, die jetzt regional umgesetzt werden müssen. Demnach beschränkt sich die Vermittlung auf Termine für ein Erstgespräch in einer Psychotherapeutischen Sprechstunde und Akutbehandlungen. Termine für Probatorische Sitzungen sowie Kurz- und Langzeittherapien (Richtlinienpsychotherapie) werden nicht über die TSS vergeben.

Bei Psychotherapeutischer Sprechstunde und Akutbehandlung handelt es sich um zwei neue Versorgungsangebote der Psychotherapie. Die Psychotherapeutische Sprechstunde dient dem Erstkontakt zu einem Therapeuten. Sie ist nicht zu verwechseln mit der herkömmlichen Sprechstunde - also der Zeit, in der Ärzte und Psychotherapeuten in ihrer Praxis Patienten versorgen. Für eine Vermittlung in eine Psychotherapeutische Sprechstunde meldet sich der Versicherte telefonisch bei der Terminservicestelle. Eine Überweisung ist nicht erforderlich. Die TSS nennt dem Anrufer eine psychotherapeutische Praxis und teilt ihm einen Vermittlungscode mit. Mit dieser Information setzt sich der Versicherte direkt mit der Praxis in Verbindung, die ihm einen Termin innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Vier-Wochen-Frist anbietet.

Termin für Akutbehandlung nur mit Empfehlung
Patienten, die sich wegen einer Akutbehandlung an die TSS wenden, müssen zuvor eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. Denn Voraussetzung für diese Vermittlung ist, dass der Psychotherapeut im Befundbericht eine Empfehlung für eine Akutbehandlung ausgesprochen hat. Diesen Befundbericht (PTV 11, individuelle Patienteninformation) erhalten Patienten nach dem Erstgespräch. Danach meldet sich der Patient bei der TSS, die ihm eine Praxis zwecks Terminvereinbarung vermittelt.

„Grundsätzlich begrüßen wir, dass Patienten durch Psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung einen neuen, niederschwelligen Zugang zur Psychotherapie erhalten“, sagte Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH. „Eine Terminvermittlung über unsere Servicestelle löst allerdings nicht das Kapazitätsproblem, das die Psychotherapeuten haben“, so Schliffke weiter. Zumal die gesetzliche Verpflichtung, Termine für Psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlungen anzubieten, zu längeren Wartezeiten auf Kurz- und Langzeittherapien führen könne.   

Deutliche Kritik übte Schliffke an der Höhe der Vergütung der neuen Leistungen, die mit einem zeitlichen und organisatorischen Mehraufwand verbunden sind. Der Erweiterte Bewertungsausschuss in Berlin hatte gestern beschlossen, dass Psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung schlechter bezahlt werden als die bisherigen psychotherapeutischen Leistungen. Während sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung für eine angemessene Vergütung eingesetzt hatte, positionierte sich der GKV-Spitzenverband dagegen. Die Stimme des neutralen Schlichters war letztendlich ausschlaggebend. „Dieses Sparprogramm torpediert den Reformwillen des Gesetzgebers“, betonte Schliffke. Der Zugang für Patienten zur Psychotherapie werde nicht erleichtert, sondern erschwert. “Den Psychotherapeuten fehlt nach dieser Entscheidung der Anreiz, neue Leistungen über die Mindestvorgaben hinaus anzubieten“, so Schliffke weiter. 

Kein Termin beim „Wunsch-Therapeuten“
Bei der Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten gilt das Gleiche wie bei der Vermittlung von Facharztterminen: Laut Gesetz besteht kein Anspruch auf einen Wunschtermin bei einem bestimmten Psychotherapeuten. Das kann auch weitere Anfahrtswege zur Praxis bedeuten. Als zumutbare Entfernung gilt: Die Zeit, die der Patient zum Aufsuchen des nächsten geeigneten Psychotherapeuten benötigen würde plus 30 Minuten. Die Terminservicestelle kann auch keinen Termin innerhalb weniger Tage garantieren, sondern nur innerhalb der gesetzlichen Frist. Wer seinen Psychotherapeuten selbst auswählen möchte, sollte sich direkt an eine Praxis wenden, um einen Termin zu vereinbaren.

Erreichbarkeit der TSS
Die Terminservicestelle der KVSH ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 04551 30 40 49 31 zu erreichen. Alle Anrufer werden gebeten, ihre Versichertenkarte und die jeweils benötigten Formulare (z. B. Überweisung, Vermittlungscode) bereit zu halten.

Gesetzgeber schreibt Terminvermittlung vor
Bisher war die Terminservicestelle nur für die Vermittlung von Facharztterminen zuständig. Nun haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband die Vereinbarung über die Einrichtung von Terminservicestellen (Anlage 28 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) um die Regelung zur Psychotherapie ergänzt. Hintergrund ist eine gesetzliche Vorgabe, wonach die Terminservicestellen mit Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April auch Termine für die „Psychotherapeutische Sprechstunde und eine sich aus der Abklärung ergebende zeitnah erforderliche Behandlung“ vergeben müssen. Die Terminservicestelle der KVSH gibt es seit Januar 2016, die Nachfrage hält sich allerdings in Grenzen. Bisher konnten rund 4.250 Patienten an eine Facharztpraxis zwecks Terminvereinbarung vermittelt werden. Zum Vergleich: Pro Jahr gibt es in Schleswig-Holsteins Praxen rund 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle.

Weitere Informationen zu der Terminservicestelle gibt es im Internet unter www.kvsh.de. Einen Haus- und Facharzt sowie Psychotherapeuten ihrer Wahl können Patienten auch unter www.arztsuche.kvsh.de finden.


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