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Magazin Nordlicht

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Neue Wege in der ambulanten Patientenversorgung


27.06.2017


Die Kassenärztliche KVSH schlägt ein Bündel von Rezepten vor, um dem Ärztemangel vor allem auf dem Land entgegenzuwirken.

Dazu gehören neue ambulante Versorgungsstrukturen, Entlastung der Ärzte durch qualifiziertes Praxispersonal und der Einsatz von Telemedizin.

Noch sind die Menschen in Schleswig-Holstein gut mit Ärzten versorgt. Doch wie sieht das in Zukunft aus?

Jeder dritte der knapp 2.000 Hausärzte ist älter als 60 Jahre. Auch bei den Fachärzten gibt es Gruppen mit einem hohen Anteil älterer Mediziner, z.B. Nervenärzte. All diese Ärzte dürften in den kommenden Jahren ihre Praxis aus Altersgründen aufgeben. Infrastrukturelle Defizite und ein verändertes Selbstverständnis der jungen Ärztegeneration machen es allerdings immer schwieriger, Nachfolger vor allem für „Landarztpraxen“ zu finden.

„Um auf diese Entwicklung reagieren zu können, sind neue Wege in der ambulanten medizinischen Versorgung und passgenaue regionale Lösungen gefragt“, sagte Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH.

„Hausarztzentren“ übernehmen Versorgungsverantwortung

Im ländlichen Raum zeichnet  sich ab, dass sich nicht für jede Praxis ein Nachfolger finden wird. Das Aus für einzelne Standorte muss aber nicht heißen, dass ganze Landstriche künftig ohne Arzt sein werden. Immer öfter schließen sich Mediziner an einem gut erreichbaren Ort auf dem Land zusammen und übernehmen mit einem „Hausarztzentrum“ Versorgungsverantwortung für ihre Region. Dabei kombinieren sie mit unternehmerischem Mut innovative Möglichkeiten: Angeschlossene Zweigpraxen in kleineren Nachbarorten, die Delegation von Routine-Hausbesuchen an qualifiziertes Praxispersonal, den Einsatz von Tele-medizin. An einigen Orten auch schon Realität: Außensprechstunden von Fachärzten aus der Stadt in zentralen Hausarztpraxen auf dem Land.

„Diese neuen Strukturen mit ihrem Mix aus Praxisinhabern und angestellten Ärzten bieten, was der medizinische Nachwuchs sucht: Eine enge kollegiale Zusammenarbeit, die Tätigkeit im Angestelltenverhältnis – auch in Teilzeit – und insgesamt eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betonte Dr. Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein.

Die KVSH gestaltet die im Wandel begriffene Versorgungslandschaft aktiv mit. So gibt es in Schleswig-Holstein rund 270 Zweigpraxen. Diese sorgen vor allem in der Fläche dafür, dass die Patienten zumindest zeitweise einen Haus- oder Facharzt aufsuchen können. Immer mehr Ärzte - viele davon auf dem Land - delegieren Aufgaben an speziell qualifizierte medizinische Fachangestellte.

Landesweit entlasten mehr als 160 dieser „Nichtärztlichen Praxisassistentinnen“ Hausärzte, indem sie unter anderem Routine-Hausbesuche übernehmen. Auch die telemedizinische Betreuung von Patienten wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, um die ambulante Versorgung in der Fläche zu sichern. So könnte der Gesundheitszustand chronisch kranker Patienten digital kontrolliert werden, ohne dass diese den weiten Weg zur nächsten Arztpraxis antreten müssen. Zudem unterstützt die KVSH kommunale Lösungen wie das Ärztezentrum in Büsum oder das gemeindeeigene Medizinische Versorgungszentrum auf Pellworm.

Gemeinsame Herausforderung

Diese Maßnahmen allein werden allerdings nicht ausreichen. „Wo Schulen und Polizeistationen geschlossen und Busfahrpläne ausgedünnt werden, wird es auch für Ärzte nicht attraktiver“, so Schliffke. „Darum müssen wir uns der Herausforderung gemeinsam stellen: KVSH, Kommunen, Landespolitik und Krankenkassen.“

Steigender Behandlungsbedarf bei älteren, chronisch kranken Menschen auf der einen und eine begrenzte Anzahl von Ärzten auf der anderen Seite machen außerdem eine Debatte nötig, wie ärztliche Leistungen künftig gezielter in Anspruch genommen werden können. Dies gilt für die reguläre ambulante Versorgung, indem der Hausarzt oder in bestimmten Fällen auch der Facharzt die Behandlung des Patienten noch stärker als bisher koordiniert. Das gilt aber auch für die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Notfallversorgung. Hier hat die KVSH gemeinsam das Modell sogenannter Portalpraxen an besonders stark frequentierten Klinikstandorten entwickelt. Diese sollen künftig als gemeinsame Einrichtung von Kliniken und KVSH während der normalen Praxiszeiten als erste Anlaufstelle dienen und Patientenströme besser lenken. Der Patient, der sich in der Portalpraxis vorstellt, wird je nach Krankheitsbild ans Krankenhaus, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder an einen Haus- oder Facharzt in der Umgebung verwiesen.


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